Buch: „75 Jahre ‚Stadt des Kdf-Wagens‘/Wolfsburg“

Die dunklen Kapitel der Stadt und der Menschen

Die Stadt Wolfsburg feiert in diesem Jahr ihren 75. Geburtstag, dabei hieß sie in den ersten sieben Jahren anders. Ein neues Buch soll zusammenfassen, was von der Stadt des KdF-Wagens nach Kriegsende blieb.

„Volksburg – Wolfswagen – 75 Jahre ‚Stadt des Kdf-Wagens‘/Wolfsburg“ – so heißt das neue Buch, dass vor kurzem von Stephan Krull herausgegeben wurde. Der ehemalige VW-Betriebsrat versammelt in diesem Band verschiedene Artikel, die die Rolle von VW und insbesondere der Familien Piëch und Porsche und weiterer Funktionsträger in der Nazi-Zeit beleuchten.

In der „Volkswagen-Betriebsgemeinschaft“ habe es auch in der Nachkriegszeit eine „hohe Kontinuität“ gegeben, so Krull. Auch die Verehrung des „genialen Konstrukteurs Porsche“ – so Adolf Hitler bei der Grundsteinlegung für die „Stadt des Kdf-Wagens“ – sei heutzutage von dessen Rolle in der Nazi-Zeit ungetrübt, kritisiert Krull. Schließlich tragen heute die Haupteinkaufsstraße, ein Stadion und sogar eine Realschule in Wolfsburg den Namen des ehemaligen
„Wehrwirtschaftsführers“ und vor dem Rathaus steht ein Denkmal für Porsche.

Aber auch weitere Namen der Führungsriege Wolfsburgs in den Nachkriegsjahren beleuchtet das neue Buch hinsichtlich ihrer Verantwortung in der Nazi-Zeit. In dem Werk wird unter anderem die frühere NSDAP-Mitgliedschaft des langjährigen Bevollmächtigten der IG Metall Hugo Bork aufgegriffen. Auch fragen die Autoren, warum heute ein Architekturpreis nach „Hitlers KdF-Stadtarchitekten“ Peter Koller benannt wird und Koller 1954 Stadtbaurat in Wolfsburg werden konnte. „Aus der Aufarbeitung der Stadt werden keine Konsequenzen gezogen“, bemängelte Alfred Hartung, einer der Autoren des Buches.

Man wolle nicht alles in Wolfsburg „vom Tisch fegen“, erklärte Linkspolitikerin und Mit-Autorin Pia Zimmermann, forderte aber, dass die Verbrechen in der Nazi-Zeit zugegeben werden und man sich mit der Geschichte der Namen auseinandersetzen müsse. „Das Buch ist ein konstruktiver und kritischer Beitrag zum Stadtgeburtstag“, resümiert Krull.

Das 155 Seiten starke Buch „Volksburg – Wolfswagen“ ist im Buchhandel erhältlich.

Wolfsburger Kurier, 21. April 2013

www.wolfsburger-kurier.de/ausgaben/2013-04-21_kjk.pdf